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01 Vater Schmidt's Wandertag


Heut' ist ein schöner Tag wie Vater Schmidt ihn mag
Er reißt das Fenster auf und knallt ein Marschlied drauf
Seht wie die Sonne lacht, schnell reisklar gemacht
Wir fahren heut' hinaus zu einem Picknickschmaus
Gehen 14 Uhr löst Familie Schmidt eine Lochkarte für den Wald-Eintritt
Am Tor 7 A, Rollband 14 West, quengelt schon der Lautsprecher:
“Bitte aufsteigen, halten sie sich fest...”
Und so rattern sie auf Rollband 14 West (halt' dich fest)
Durch einen immergrünen Kunststoffwald (etwas kalt)
Automaten dispergieren ihnen Tannenduft (tolle Luft)
Untermalt von elektronischer Musik (hach wie schick)
Und so trifft mal sich dann auf Essplatz Nr. 10
Wo schon über 80 Mann vor den Speisomaten steh'n
In Anti-Schwerkraft-Sesseln genießt man nun
Picknick Super Mischung 15 X
Begleitet vom Rauschen der Keimvernichtungsanlage
(Hygiene – Hygiene – Hygiene)
Die ständig alle Keime im Keime erstickt
Ist es den nicht wunderbar dem Fortschritt nah zu sein?
Hurra wir sind ja so modern, von Sorgen fern lebt unser Stern
Heut' ist ein schöner Tag wie Vater Schmidt ihn mag
Wir fahren heut' hinaus zu einem Picknickschmaus

 


02 Der Clown

Beifallsstürme tosen endlos, grelles Licht zerreisst den Raum
Alles starrt gebannt zur Bühne, wartet auf den großen Clown
Seht, ja da ist er, lustig wie er immer war
Hört ihr sein Lachen, sein bekanntes Hip-Hurra
Seine Gags sind ungeschlagen, sein Show kommt immer an
1000 Augen folgen gierig dem berühmten Spaßmach-Mann
Seht, ja da ist er, lustig wie er immer war
Hört ihr sein Lachen, sein bekanntes Hip-Hurra
Wenn du so sein willst wie du wirklich fühlst
Dann erschlagen dich die Fragen und der Spott ist dein Hemd
Alles glotzt dich an oder glotzt vorbei
Und du spürst, Verständnis ist den meisten fremd
Wir spielen euch wie ihr seid, doch ihr zieht nur die Fressen breit
Ist die Vorstellung vorüber, löscht ein Mann das Rampenlicht
Mit dem Ärmel vom Pullover wischt er Schminke vom Gesicht
Seht, ja das ist er, weinend wie ihn keiner kennt
Er darf erst Mansch sein, wenn kein Licht mehr brennt

 

 

03 Traum und Wirklichkeit

Du schlenderst durch die Endlosstraßen, weißt nicht wo du gehst
Nur ein Licht, der dunkle Himmel, Hoffnung die du lebst
“Du Licht vom Himmel”, fragst du ängstlich, “weißt du wo ich bin?”
Zeige mir den Weg doch bitte, den Weg zur Harmonie
Geweißte Wolken zieh'n vorüber, der Mond ist nicht dabei
Schatten, die dich stumm begleiten, zieh'n ins Paradeis
Um dich herum getrübte Stimmug, um dich alles tot
Nacht wiegt dich in ihren Armen, beschleicht deinen Verstand
Verlass' den Platz du Einsamer (eine Stimme schrexckt dich auf)
Folge mir, nimm' meine Hand, ich bin bei dir, keine Angst
Verlass' die Falle Schritt um Schritt, vergiss' Ratten, die du geliebt
Lass' nicht dunkles Licht zu dir, fühle das, was kommt von mir
Klänge, Töne, Worte, Stimmen - beginnen sanft in dir zu schwingen
Wisch' fort den Schleim, er macht dich blind
Vertreib' den Nebel, der dich veschlingt
Zerschlag' die Maske, keine Angst, raff' dich auf, hier geht es lang
Die Gedanken, Traum und Wirklich sind ein Schatten deiner Einsamkeit
Morgenlicht reizt deine Augen, Strahlen stechen dich
Keine Stimme flüstert mehr, verfllogen ist der Traum
Nur ermahnt von feuchter Kleidung, Gedanken sind vorbei
Erinnerung, sie wird dir bleiben, ein Stückchen mehr zum Frei...?

 


04 Sonntag's Sonnabend

Sonntags abends sitzt er meist im Garten, schaut dem Tage nach
Er sieht aus, als würd' er auf etwas warten, das ihm irgendwer einmal versprach
Hinter'm Haus hört er die Kinder spielen, Angst durchfährt ihn heiß
Denn er spürt, wie wenig Schmerzen sie erst kennen
Weil sie nicht ahnen, was er nun weiß
Kaum jemand traut sich zu sein wie er mag
In Kirchen zu lachen, zu rülpsen am Sarg
Ihr alle tut so, als spürt ihr den Sinn
Doch ihr spürt gar nichts, ihr döst nur dahin
Totschwarzer Himmel frisst die sinkende Sonne
Nacht steigt aus Tälern, frisst das goldene Licht
Das Jahr frisst die Wochen, wie die Wochen die Tage
Bis eines Tages dein Leben erlischt
Nicht ein Wort zeigt die Gedanken, kaum ein Licht weist diesen Weg
Niemand lehrt uns zu durchbrechen tausend Schranken
Die man schon in Kinder legt...

 

05 Auf Wiedersehen

Ja, also das war jetzt die deutsche Version von dem Grobschnitt sein Jumbo. Bis die russische Version rauskommt, wird es wohl noch ein Jahr dauern. Deswegen möchten wir einstweilen all die Leute grüßen, die eben auf die deutsche Pops-Musik stehen, mit einem kräftigen “Augen geradeaus, Augen rechts, Augen geradeaus”...

 


06 Sonnenflug

Es war einmal ein sehr gelehrter Mann, der lange nachgedacht und dann begann
Aus Wachs die Vogelflügel sich zu bau'n, um sich die Welt von oben anzuschau'n
Schwing' dich hinauf, du hast ja die Macht, doch flieh' vor dem Feuer, das in dir erwacht
Er lernte fliegen mit der Vogelschar, sein Sohn bat staunend “bau' mir auch ein Paar”
Der Alte sprach “so leicht ist Fliegen nicht, du musst dich hüten vor der Sonne Licht”
Doch der Junge glitt mit stolzem Schwunge voller Übermut zu nah der Sonnenglut
Die bloß das Wachs zerschmelzen ließ und damit schon bewies
Wie tief wir Menschen fallen, wenn Leichtsinn uns auf Flügeln trägt...
Als der Alte seinen Sohn verlor, zerbrach er sein Flügelpaar und schwor
Nie mehr soll jemand damit spielen, bis wir lernen, die Gefahr zu fühlen
Schwing' dich hinauf, du hast ja die Macht, doch flieh' vor dem Feuer, das in dir erwacht